Den Lebensentwurf die Karriere bestimmen lassen – und nicht anders herum

Die amerikanische Bloggerin Penelope Trunk schrieb vor kurzem einen interessanten Artikel über Berufswahl und persönliches Glück. Während sie auf verschiedene Einflüsse der Berufswahl auf das eigene Glück eingeht, gibt sie nebenbei einen interessanten Karrieretipp: Suche Dir keinen Beruf aus, sondern einen Lifestyle.

Der Satz regt zum Nachdenken an. Während wir schon seit Kindesalter auf die Beantwortung der Frage „was möchtest Du einmal werden?“ getrimmt werden, sollte die Frage nicht besser lauten: „Wie möchtest Du einmal leben?“ . Auch die Schulzeit hatte letztendlich immer den Unterton der Berufsvorbereitung, sodass als Schüler stets die Frage im Hinterkopf blieb, in welchem Beruf ich einmal arbeiten würde. Nun, nach einigen wechselvollen Karrierejahren, würde ich Schülern, Studenten und Berufsanfängern raten, doch erst einmal die Frage nach dem gewünschten Lifestyle zu beantworten und sich daraufhin klar zu machen, dass einige Berufe tunlichst nicht mit bestimmten Lebensentwürfen kombiniert werden sollten. Zumindest dann nicht, wenn man glücklich werden will, mit der Berufswahl.

Erst nachdem man entschieden hat ob man ein ungebundenes Leben mit dynamischer Karriere, Innenstadtwohnung und viel Reisetätigkeit plant, oder sich vielleicht doch im Vorstadthäuschen mit Familie, zwei Kindern und Hund sieht, sollte die Entscheidung für oder gegen eine Karriere in der Management Beratung fallen. Entscheide ich mich dagegen für die Management Beratung, weil der Beruf spannend und abwechslungsreich ist und auch noch mehr Geld auf’s Konto spült, aber eben nicht weil er mir den gewünschten Lifestyle mit Familie und Garten ermöglicht, dann werde ich, trotz Abwechslung und Spannung im Beruf, nicht glücklich werden mit meiner Wahl.


Wer als junger Mensch seine Zukunft im Ausland sieht und glaubt mit einem Leben in einer asiatischen Metropole oder unter Palmen eher glücklich zu werden, der sollte seine Berufswahl von Anfang an entsprechend ausrichten. Darüberhinaus ist die Frage danach wie und wo man leben möchte einfacher zu beantworten, als die Frage danach für welchen Beruf man sich entscheiden soll.

Ein kleines Gedankenspiel um die abgenutzte Bewerberfrage „Wo sehen Sie sich in fünf Jahren“, kann bei der Entscheidung helfen. Man muss die Frage nur im Bezug auf den Lifestyle, nicht auf die Karriere, beantworten. Ist die Lifestylefrage dann einmal beantwortet, das heißt es gibt eine klare Vorstellung davon wie man leben möchte, kann ein erster Karriereschritt zum Erreichen des Ziels getan werden.

Obwohl ein duales Ingenieursstudium bei Audi der Karriere und dem Gehalt einer Abiturientin in Ingolstadt sicherlich dienlich wäre, würde sie ein Umzug nach Cuxhaven und eine Ausbildung in der Fischereiindustrie näher an ihren Wunsch nach einem Leben in einer Kleinstadt an der norwegischen Küste bringen und sie damit glücklicher machen. Enttäuschten Eltern zum Trotz ist das Abschlagen eines prestigeträchtigen und gut bezahlten Karrierewegs nicht unbedingt die schlechteste Lösung.

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