Die Jobsuche in China ist schwieriger geworden


Noch vor rund zehn Jahren galt China als das Job El Dorado des Ostens, in dem es mit einem soliden Uniabschluss und einiger Arbeitserfahrung möglich war, einen gut bezahlten Job in einem internationalem Unternehmen zu bekommen. Und auch bei der derzeit hohen Arbeitslosenrate in Europa und den USA, scheint China mit seinem positiven Wachstumsausblick und niedriger Arbeitslosigkeit ein vielversprechender Arbeitsmarkt zu sein. Allzu einfach gestaltet sich die Stellensuche in China jedoch nicht mehr: Die Konkurrenz ist mit vielen im Ausland ausgebildeten Chinesen größer geworden und die Ansprüche an die Arbeitserfahrung der Bewerber sind gewachsen.

Das Wirtschaftsumfeld des Arbeitsmarkts in China hat sich in der letzten Dekade stark geändert: Der Produktionssektor ist anteilig geschrumpft und der Dienstleistungssektor ist größer geworden. Obwohl sich dieser Prozess in den letzten zwei Jahren verlangsamt hat, hat sich China von einem Produzenten zu einem Konsumenten gewandelt, was sich auch auf den Arbeitsmarkt für Ausländer auswirkt. Bewerber die kein gutes Mandarin sprechen und sich nicht auf eine gesuchte Tätigkeit spezialisiert haben, haben schlechte Chancen. Während Sprachkenntnisse vor einigen Jahren nicht unbedingt erwartet wurden, wird fließendes Mandarin mittlerweile in fast allen Bereichen vorausgesetzt. In den besonders lukrativen Bereichen Banking, Privat Equity und Management Consulting sind alle Stellen ohnehin schnell mit den chinesischen Spitzenkräften und High Potentials besetzt.

Jobsuche in ChinaJunge, im Ausland ausgebildete Chinesen mit guten Englischkenntnissen sind die bevorzugten Arbeitskräfte der chinesischen Unternehmen und es werden immer mehr: Laut EIC Group China, einem chinesischen Bildungsdienstleister, gingen 1995 nur rund 24.000 Chinesen während des Studiums ins Ausland. 2010 waren es bereits 285.000. Hinzu kommt, dass die chinesischen Absolventen keine Probleme haben sich in die chinesische Unternehmenskultur einzugliedern und dazu noch billiger sind. Es kostet die Arbeitsgeber zwischen 50% und 200% mehr einen Bewerber aus dem Ausland einzustellen. Darüber hinaus besteht auch noch die Konkurrenz durch andere Expats, die erwartungsgemäß in den großen Zentren entlang der Küste (Shanghai, Peking, Guangzhou und Shenzhen) am größten ist, weshalb es sich lohnen kann auch in kleineren Orten und im Landesinneren nach Arbeit zu suchen. Auch Hong Kong und Singapur konkurrieren mit den Finanzzentren des Festlandes um die besten Köpfe, was Jobsuchende ebenso ausnutzen können.

Eine Ausnahme ist der Beruf, in dem die meisten Ausländer in China arbeiten: Sprachlehrer. Zumindest englische Muttersprachler finden weiterhin verhältnismäßig leicht eine Stelle als Englischlehrer in China. Kindergärten stellen ebenso ein, wie private Sprachschulen. Deutsche Muttersprachler haben es hier jedoch schwieriger. Selbst fließendes Englisch als Zweitsprache wird immer seltener an den Schulen akzeptiert und die Stellen für Deutschlehrer sind beschränkt. Eine Stelle als Sprachlehrer bietet zudem zwar weiterhin ein ausreichendes Einkommen, ist aber der Karriere nur bedingt dienlich.

Außer dem Bildungssektor finden Ausländer mit entsprechender Arbeitserfahrung am ehesten eine Stelle in der IT oder Accounting Abteilung großer Unternehmen oder auch im Bereich Marketing, PR und Vertrieb. Gerade im Accounting und Compliance Bereich hat sich nach der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008 das regulatorische Umfeld in China verschärft und Unternehmen in ganz Asien suchen verstärkt Compliance Experten mit Erfahrung in der internen Revision oder mit internen Kontrollsystemen. Viele Unternehmen haben ihre Risikomanagement Budgets aufgestockt und vieles fließt in die Einstellung neuer Mitarbeiter.

Die Finanzkrise hat ebenso dafür gesorgt, dass Neueinstellungen in China nun wesentlich geplanter ablaufen und Unternehmen vorsichtiger wurden. Neue Stellen müssen nun meist intern besser begründet werden und neben den technischen Fähigkeiten messen die Arbeitgeber den Soft Skills der Bewerber größere Bedeutung bei. Unternehmen haben in den letzten vier Jahren ihre Prozesse restrukturiert, um produktiver zu werden, und noch immer sind Kandidaten mit Erfahrung im Projekt- und Change Management gefragt. Aus demselben Grund werden IT Fachkräfte mit Erfahrung und Kenntnissen in Enterprise Resource Planning Software (ERP, wie SAP und Oracle) gesucht und auch vermehrt aus dem Ausland eingestellt.

Für chinesische, multinationale Unternehmen, die in verschiedenen Märkten Umsatz generieren, werden zudem die Steuergesetze immer umfangreicher. Fachkräfte mit Kenntnissen in internationalen Steuergesetzen und Transfer Pricing, haben im Moment beste Chancen in China einen gut bezahlten Job zu finden.

Bildquelle: Lothar Krause / pixelio.de

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