Japan entdecken – Leben und Arbeiten als Working Holiday Maker


Zeit für einen Gastartikel. Katharina berichtet über die Arbeitssuche als Working Holiday Maker in Japan:

Hallo!
Mein Name ist Katharina und Anfang des Jahres bin ich als Working Holiday Maker nach Japan aufgebrochen. Normalerweise blogge ich für die INITIATIVE Auslandszeit über Work and Travel in Japan. Aber da Christian mich zu einem Gastartikel auf seinem Blog eingeladen hat, möchte ich heute hier ein bisschen über Arbeitsmöglichkeiten und die Jobsuche für Working Holiday Maker in Japan berichten.

Working Holiday in Japan 2Deutschland und Japan haben ein Abkommen geschlossen, das (jungen) Menschen ermöglicht, für längere Zeit im jeweils anderen Land zu leben und zu arbeiten. Mit dem Working Holiday kann man – sogar gratis – an den japanischen Botschaften bzw. Konsulaten in Deutschland ein Visum beantragen, das einem die Möglichkeit gibt, in Japan bis zu 365 Tage lang zu leben und zu arbeiten. Was das Arbeiten angeht, gibt es gewisse Einschränkungen: Da das Visum vorrangig den kulturellen Austausch fördern soll, darf man nur halbtags arbeiten (oder ganztags, dafür aber nur ein halbes Jahr, usw.). Auch Tätigkeiten im „Entertainmentbereich“, wie zum Beispiel als Barkeeper oder ähnliches, darf nicht nachgegangen werden. So viel zu den Rahmenbedingungen.

Wenn man an Work and Travel denkt, kommen einem in der Regel die Länder Neuseeland, Australien oder Kanada in den Sinn. Und es stimmt: Japan ist wahrlich kein klassisches Work and Travel Land. Wer sich mit Statistiken beschäftigt, merkt das zum einen an der vergleichsweise geringen Nachfrage für ein Working Holiday in Japan. Zum anderen findet man im Land der aufgehenden Sonne auch andere Arbeitsbedingungen vor.

Aber wie sehen diese aus? Was macht den Unterschied? Und was macht Japan attraktiv für Working Holiday Maker?
Zieht es einen nach Neuseeland, Australien oder Kanada, sollte man im Regelfall kaum mit Sprachbarrieren zu kämpfen haben, da man mit Englisch überall mehr oder weniger beschwerdefrei ans Ziel kommen sollte. In Japan sieht das anders aus: Hier spricht kaum jemand ein Englisch, das so gut ist, dass man mühelos nach dem Weg fragen oder sogar ein Bewerbungsgespräch bestehen kann. Japanischkenntnisse sind also unabdingbar, besonders wenn es um Arbeitsmöglichkeiten geht, denn in der Regel muss man sich einfach mit Kunden oder zumindest Kollegen verständigen können.

Neben der Sprachbarriere gibt es noch andere Kriterien, die sich auf die Jobsuche in Japan auswirken: Wie lange steht man dem potenziellen Arbeitgeber zur Verfügung? Für diesen ist es nämlich sehr wichtig, dass man möglichst lange für ihn arbeiten kann, damit er nicht ständig neue Kräfte suchen und einarbeiten muss. Hinzu kommt, dass der japanische Arbeitsmarkt schon mal deutlich bessere Zeiten gesehen hat, sodass man grundsätzlich mit einer hohen Anzahl an Mitbewerbern zu rechnen hat.
Weiterhin wichtig für den Arbeitgeber bzw. die Personaler ist bei einem Vorstellungsgespräch der optische Eindruck: Wer nicht im Business-Stil gekleidet ist, fliegt eigentlich gleich raus, und dabei ist es relativ egal, um welche Branche es geht.

Und wie kommt man nun trotzdem an einen Job?
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, einen Job zu suchen:
– Man sucht von Deutschland aus (über das Internet) einen Arbeitsplatz;
– man beauftragt eine Reiseagentur (z.B. DIREKT Sprachreisen) mit der Jobvermittlung;
– man sieht sich vor Ort selbst um (über Aushänge, Zeitungen oder Internet)
– oder man sucht das japanische Arbeitsamt Hello Work auf.

Bucht man eine Jobvermittlung, hat dies natürlich seinen Preis. Man wird dafür durch verschiedene Ansprechpartner gut betreut, es werden Kontakte zu Firmen hergestellt und, und, und. Leider kann einem auch so kein Job garantiert werden, da es immer auf die individuellen Qualifikationen ankommt und wie diese gerade nachgefragt werden.

Working Holiday in JapanSucht man selbst nach einem Arbeitsplatz, hat man von Deutschland aus das Problem, dass man eben einfach nicht vor Ort ist: Gespräche mit den japanischen Firmen müssen über Skype oder ähnliches geführt werden und natürlich hat man mit der Zeitverschiebung zu kämpfen. Einfacher sollte es also sein, sich erst im Zielland umzusehen. Jedoch trifft man hier eventuell auf die Schwierigkeit, dass Stellenanzeigen in der Regel auf Japanisch ausgeschrieben sind. Zeitungen über Arbeitsmöglichkeiten (wie z.B. Town Work) liegen aber an den meisten Bahnhöfen gratis aus! Neben Annoncen findet man hier auch weitere Tipps, Infos etc. zum Arbeitsmarkt und Bewerbungen – natürlich auf Japanisch.

Hello Work kann von Japanern und Ausländern gleichermaßen in Anspruch genommen werden. Hier erhält man Hilfe bei der Jobsuche und kriegt für das Gespräch mit einem Sachbearbeiter auch einen Dolmetscher an die Seite gestellt, sodass der Kommunikation nichts mehr im Wege steht. Zunächst muss man seine Daten angeben und kann dann in ein Gespräch mit einem Berater gehen. Meiner Erfahrung nach nimmt sich das Personal wahnsinnig viel Zeit für einen und ist wirklich sehr hilfsbereit!

Nachdem die Voraussetzungen, die man mitbringt, geklärt sind, wird intensiv nach passenden Stellen gesucht und wenn möglich gleich der Kontakt hergestellt. Zu empfehlen ist es dringend, sich einen Termin geben zu lassen! Man kann Hello Work auch einfach so aufsuchen, muss sich dann aber auf lange Wartezeiten gefasst machen, da die Agentur sehr hoch frequentiert ist und die Dolmetscher dann auch gerade „ausgebucht“ sein können. Der Standort für die beliebte Metropolregion Tokyo liegt in Shinjuku und hier gibt es ausführliche Informationen dazu.

Das klingt nun zum Teil nicht so gut, gibt es trotzdem Hoffnung auf Arbeit?
Oh ja, die gibt es! Die größte Nachfrage nach Ausländern besteht eindeutig im Sprachunterricht. Hierbei ist Englisch der klare Gewinner und gerade englische Muttersprachler haben in Japan gute Karten. Die Nachfrage nach Deutsch (und auch Französisch) wächst, ist aber noch lange nicht so präsent. Man muss bedenken, dass man als Lehrer für Anfänger aber auch über ein gutes Potenzial an Japanischkenntnissen verfügen muss, um die Interaktion zu gewährleisten.
Ebenfalls besonders gefragt sind IT-Spezialisten. Auch der Dienstleistungssektor sucht ständig Kräfte.

Aus meinem Bekanntenkreis haben außerdem viele einen Job in den sogenannten conbinis oder in der Gastronomie gefunden. Ein offenes, freundliches und seriöses Auftreten kann einem hier Tür und Tor öffnen.
Und wie in Deutschland gilt natürlich: Vitamin B hilft. 😉

Wenn sich nun jemand in die Jobsuche begeben will, dem seien noch folgende Quellen an die Hand gelegt:
– für den Raum Tokyo: Craig’s List
– für die Kansai-Region: Kansai flea market (auch als Print vor Ort)
– für Interessierte am Sprachunterricht: Ohayou Sensei

Zu den Gehaltaussichten ist vielleicht noch zu sagen, dass man als Sprachlehrer natürlich mit die besten Verdienste haben kann. In der Gastronomie bewegt man sich im Regelfall am Mindestlohn, das sind so 700 Yen pro Stunde. Als Sprachlehrer können es auch 1000 Yen in der Stunde sein. Die Verdienstmöglichkeiten hängen aber sehr vom Arbeitgeber ab!

Ich hoffe, dass der ein oder andere Leser Lust auf ein Work and Travel-Abenteuer in Japan bekommen hat! Lasst euch von den nicht ganz so rosigen Aussichten auf einen Job nicht abschrecken – denn die Freundlichkeit der Japaner sowie die wunderschönen Landschaften und Gebäude Japans machen das eindeutig wieder wett. Die Erfahrungen, die ich bisher machen durfte, möchte ich auf keinen Fall missen, auch wenn es kulturell und auch finanziell oft eine Herausforderung war.
So oder so wünsche ich euch viel Erfolg bei eurem eigenen Abenteuer Ausland! (:

Wer mehr von Katharina und dem Leben und Arbeiten in Japan lesen möchte, kann das auf ihrem Blog tun: www.work-and-travel-japan.de
Einen Japanisch-Sprachführer für das iPhone gibt es hier:  

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