Arbeiten in der australischen Mining Industrie: Pendeln mit dem Flugzeug


Der Bergbau ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige in Australien und ein Drittel der an der australischen Börse gelisteten Unternehmen sind Mining Companies. Eine große Herausforderung für die Industrie sind jedoch die oft weit abgelegenen Orte der Minen. Viele Minen liegen im Norden von Western Australia, in der spärlich besiedelten Pilbara oder in anderen Regionen fern ab der Metropolen an der australischen Ostküste.

Arbeitskräfte müssen daher in der Regel aus Großstädten wie Perth oder Brisbane zu den Bergwerken eingeflogen werden. „Fly-in-Fly-out“ oder kurz FIFO nennen die Australier das System. Oft chartern die Minenbetreiber hierzu Flugzeuge kleinerer Fluggesellschaften, die dann täglich zwischen den Städten und Minen verkehren.
Dabei handelt es sich nicht unbedingt um kleine Propellermaschinen, sondern um große Passagierflugzeuge, wie einer Boeing 717. Einige Unternehmen lassen ihre Minen auch von Qantas anfliegen. Fortescue Metals, drittgrößter Eisenerzproduzent in Australien, beispielsweise lässt seine Arbeiter zur Cloudbreak und Christmas Creek Mine ab Perth von Qantas transportieren. Die Arbeiter bekommen auf dem zweistündigen Flug den gewohnten Qantas Service und können sogar Flugmeilen sammeln.
Die kleinen Flughäfen an den Minen sind meist gut ausgestattet, oft mit einem kleinen Terminalgebäude, sodass Passagiere nicht in der Hitze warten müssen, und einem asphaltierten Rollfeld. Nur noch wenige Betreibergesellschaften lassen die Flieger auf Schotterpisten oder Salzseen landen.

FiFo ArbeiterAuf Grund der Kosten für den Transport, werden die Arbeiter vor Ort am Bergwerk in einem Camp untergebracht. Die Dauer der Aufenthalte variiert, am häufigsten sind jedoch Schichten von acht Tagen Arbeit vor Ort, gefolgt von sechs freien Tagen zu Hause. Viele Arbeiter bleiben auch zwei Wochen im Camp und haben dann eine ganze Woche frei. In der australischen Öl- und Gasindustrie sind die Schichten oft noch länger: Viele Arbeiter arbeiten 28 Tage am Stück, um danach mehrere Wochen frei zu bekommen.
Die tägliche Arbeitszeit beträgt zwölf Stunden, wobei der Betrieb 24 Stunden am Tag läuft. Es wird also in einer Tag- und in einer Nachtschicht gearbeitet. Die Tagesschicht beginnt um fünf Uhr morgens. Kein Job für Langschläfer.

Die Camps für Arbeiter liegen meist einige Kilometer von der Mine entfernt, um die Lärm- und Staubbelastung zu minimieren. Die Unterkünfte im Camp sind ausgebaute Container mit mehreren Kabinen, die zwar klein, aber komfortabel sind. Es ist Platz für ein Bett, einen kleinen Schreibtisch, Kühlschrank, Fernseher und einen abgetrennten Raum mit Dusche und Toilette. Die Zimmer sind mit Telefon und Internetanschluß ausgestattet und über den Fernseher sind Pay TV Kanäle zu empfangen.
Wer die wenige Freizeit nicht in seiner Kabine verbringen möchte, findet verschiedenste Angebote im Camp. Viele Mining Camps bieten ihren Arbeitern ein Fitnesscenter mit Geräten und Kursen, einen Pool und Sportplätze für Basketball, Tennis oder Cricket. Hinzu kommen Gemeinschaftsräume mit Kickern und Billardtischen, Grillplätze und eine Bar. Für die Versorgung mit dem Nötigsten gibt es oft einen kleinen Supermarkt oder Kiosk.

Zentral im Camp gibt es einen großen Speisesaal für das Frühstück und Abendessen. Die Auswahl an Gerichten ist meist üppig und die Qualität gut. Jeden Tag gibt es mehrere Hauptspeisen, eine Salatbar und zum Nachtisch eine große Auswahl an Torten, Puddings und Eiscreme. Oft gibt es Aktionstage an bestimmten Wochentagen, wie eine Steak Night oder besondere Fischangebote.
Das Mittagessen wird von den Arbeitern morgens in Plastikdosen eingepackt und mit in die Mine genommen, wo es Aufenthaltsräume für die Mittagspause gibt. Das komplette Angebot ist kostenlos, nur Bier und Wein in der Bar müssen selbst bezahlt werden. Übertreiben sollte man es mit dem Alkohol jedoch nicht. Jeder Mitarbeiter muss am nächsten Morgen durch eine Alkoholkontrolle bevor er seine Schicht beginnen darf. Wer mit Restalkohol erwischt wird, muss zurück ins Camp.

Die Gehälter in der australischen Mining Industrie sind ausgesprochen gut. Mechaniker, LKW Fahrer und Techniker verdienen oft ein Vielfaches ihrer Gehälter in den Städten und sind daher bereit, die Jobs in den Minen anzunehmen. Einige Mitarbeiter fliegen auf eigene Kosten aus New South Wales oder Victoria nach Brisbane und Perth, um von dort dann den Flieger in die Minen zu nehmen. Man trifft sogar regelmäßig Arbeitskräfte, die in Neuseeland wohnen und ihren festen Arbeitsplatz im Nordwesten Australiens haben. Die hohen Gehälter machen selbst die langen Strecken für Pendler lukrativ.
Einige junge und alleinstehende Arbeiter verzichten dagegen gleich auf den Rückflug nach Perth und fliegen auf das viel näher gelegene Bali oder nach Thailand, um dort ihre freien Wochen zu verbringen. Die ungewöhnlichen Arbeitszeiten machen es möglich.

Ein Job in den Minen ist für viele Arbeiter verlockend, jedoch ist nicht jeder gemacht dafür. Arbeitskräfte leiden häufig unter der dauernden Trennung von Freunden und Familie, der Abgelegenheit des Arbeitsplatzes und des langen Schichtdiensts. Die harten Bedingungen führen bei manchen zu psychischen Erkrankungen und Depression. Auch Familien zerbrechen häufiger an den Fly-in-Fly-out Jobs und die Scheidungsrate ist höher als im Bevölkerungsdurchschnitt.

Wen das nicht abschreckt, kann sich bei australischen Bergbauunternehmen bewerben. Vorausgesetzt werden sehr gute Englischkenntnisse, Erfahrung im Bergbau oder einer ähnlichen Tätigkeit, ein australisches Arbeitsvisum und ein australischer LKW-Führerschein.

Liste der australischen Bergbauunternehmen
Bewerbungsratgeber Australien
Bewerbungstipps für die australische Bergbauindustrie

Bildquelle: “365 Days | Day 114”, © Stu Rapley, unter Creative Commons Lizenz

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1 Kommentar

  • Peter Bartus sagt:

    Sehr hilfreich umd informativ.
    Mir gefaellt es hie in West Australien aber sehr gut, habe ich als Fachkraft derzeit realistische chancen, einen fly in, fly out von Perth aus zu bekommen?

    Danke,

    Gruss, Peter

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