Heimkehr aus dem Ausland: Und dann kommt die Depression


Während des ersten längeren Auslandsaufenthalts oder einer Entsendung erleben die meisten Globetrotter neben den positiven Erfahrungen auch einen Kulturschock und andere interkulturelle Probleme. Das gehört zum Auslandsaufenthalt dazu und wird erwartet. Für einige ist jedoch die Rückkehr nach Hause unerwarteter Weise die größte Herausforderung.
Plötzlich ist der Alltag wieder da, man hat sich weiterentwickelt und zu Hause ist immer noch alles beim Alten. Vielleicht hat man im Ausland eine neue Beziehung angefangen, deren Fortgang jetzt ungewiss ist und in der Firma hat man das Gefühl, eigentlich gar nicht gebraucht zu werden. Zudem beginnt nun für viele ein neuer Lebensabschnitt für den Entscheidungen gefällt werden müssen. Job oder Uni? Umziehen oder hierblieben?

Heimkehr DepressionDie Ungewissheit und Unzufriedenheit macht sich bei so manchem mit einer depressiven Verstimmung oder Rückkehrer-Depression bemerkbar. Der Alltagstrott in der Heimat ödet an und man verbringt Stunden damit im Internet nach Möglichkeiten zu suchen, wieder ins Ausland zu können. Besonders schlimm ist es, wenn die Rückkehr nicht freiwillig, sondern gezwungenermaßen erfolgte. Das Auslandsemester ist vorbei, das Visum abgelaufen, die Entsendung beendet oder es ist schlicht kein Geld mehr da, um noch weiter zu reisen.

Es kann schon schwer fallen, nach all den positiven Erfahrungen im Ausland überhaupt zuzugeben, dass die Rückkehr nun eine depressive Verstimmung auslöst. Schnell sind Freunde und Bekannte nämlich mit dem Ratschlag parat, man solle sich nicht so anstellen, sondern darüber freuen, dass man zu den wenigen Menschen gehört, die überhaupt die Zeit, das Geld und die Möglichkeit für einen Auslandsaufenthalt hatten. Nichtdestotrotz ist das Problem für Betroffene real und wird durch die gutgemeinten Ratschläge auch nicht besser.

Diese Symptome können auf eine Rückkehrer-Depression hindeuten:

– Man verbringt sehr viel Zeit damit, nach Möglichkeiten zu suchen, wieder ins Ausland zu gehen
– Man spricht nur noch über die Zeit im Ausland
– Alles in der Heimat wird in Frage gestellt und stets mit der Situation im Ausland oder während der Reise verglichen
– Dinge und Menschen in der Heimat werden als „kleingeistig“ kritisiert
– Dinge die früher unternommen wurden bereiten keine Freude mehr
– Kein Interesse neue Menschen kennenzulernen oder nach der Arbeit aktiv zu werden
– Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust
– Angst das Haus zu verlassen, weil man nicht mehr in die Umgebung passt
– Schlaflosigkeit
– Das Gefühl festzuhängen und nichts an seiner Situation ändern zu können

Ganz wichtig: Bereitet die Rückkehr mehr als nur etwas Kummer und Traurigkeit und bessern sich die Symptome nach einigen Wochen nicht, ist man vielleicht an einer handfesten Depression erkrankt und sollte sich an einen Arzt wenden. Eine depressive Erkrankung kann gut behandelt werden und eine Behandlung verkürzt die Erkrankung meist deutlich.

Will man eine Verstimmung nach der Rückkehr aus einem Auslandsaufenthalt in Eigenregie angehen, empfiehlt sich ein proaktiver Ansatz. Zunächst einmal ist an dem Wunsch wieder ins Ausland zu gehen, nichts auszusetzen, nur sollte der Wunsch im Allgemeinen keinen Kummer hervorrufen.
Man sollte sich klarmachen und akzeptieren, dass die Organisation eines weiteren Auslandsaufenthalts Zeit in Anspruch nimmt und nicht von heute auf morgen umzusetzen ist.
Kleine, tägliche Schritte zur Umsetzung der neuen Auslandspläne können dann dabei helfen eine neue Perspektive zu bekommen und mit dem vergangenen Aufenthalt abzuschließen.

Am besten ist es natürlich eine Heimkehr-Verstimmung von vornerein zu vermeiden und sich bereits im Ausland kurz mit der Prävention zu beschäftigen. Am besten beugt man Problemen mit der Rückkehr vor, indem man

– Pläne für die Zukunft schmiedet. Dabei ist es egal, ob diese Pläne im Ausland oder in der Heimat liegen. Mit einem Ziel vor Augen rutscht man nicht in eine Orientierungslosigkeit nach der Rückkehr und ist weniger anfällig für depressive Verstimmungen.
– in regelmäßigem Kontakt mit den Auslandsfreunden bleibt.
– körperlich aktiv wird, denn körperliche Aktivität wirkt sehr günstig auf ein ausgeglichenes Ich.
– mit Freunden und Familien über seine Sorgen spricht.
– Dinge zu Hause an das neue Ich anpasst, denn Reisen und Auslandsaufenthalte verändern Menschen und man entdeckt neuen Seiten an sich, die vielleicht nicht in die alte Umgebung passen.
– seine Erfahrungen teilt. Zum Beispiel in einem Blog, mit einem Fotoprojekt oder indem man mit Freunden Gerichte aus dem Ausland kocht.

Bildquelle: “Heimkehr am Abend – Coming Home”, © Dieter Gora , unter Creative Commons Lizenz

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